Sprachtandem: “Ich bezahle meine Sehnsucht…” / “In cambio con la tua nostalgia…”

Eine Art Stolz auf unsere Heimat und eine dazu konträre Sehnsucht nach der Fremde sind Emotionen, die uns in unserem Alltagsleben prägen. Dabei verhält es sich oft wie mit zwei Seiten ein und derselben Münze: Unsere Sehnsucht treibt uns in die Fremde, weil sie uns etwas vermissen lässt, das uns in unserer Heimat zu fehlen scheint; in der Fremde merken wir oft erst, was unsere Heimat und das, was uns an ihr gefällt, ausmacht und wir fangen an uns darüber zu definieren und darauf stolz zu sein. 

Die Sehnsucht der Deutschen nach Italien und ein dort entdecktes Deutsch-Sein ist bekannt – dass es sich bei Italienern und deren Sehnsucht nach Deutschland und einem dort entdeckten Italienisch-Sein ähnlich verhält, durften 14 SchülerInnen der städtischen Fachoberschule für Gestaltung und 18 italienische GymnasiastInnen aus Bozen erfahren.
Im Rahmen eines Sprachtandems haben die Münchner SchülerInnen die Bozener zu deren Nationalstolz und Sehnsucht interviewt und umgekehrt – jedoch durchweg im Versuch, die Fragestellungen aus den Augen der anderen im Sinnes eines Stereotyps zu behandeln, z.B.: “Inwiefern glaubst du, dass sich die Bozener besonders als Italiener beziehungsweise als Südtiroler sehen?”
In den Gesprächen hatten die SchülerInnen so Gelegenheit, sich ihren eigenen Vorurteilen über die anderen zu stellen und sich mit den stereotypen Vorstellungen des Gegenübers auseinanderzusetzen.
Die Interviews gipfelten in einem wechselseitig rezipierten Kunstprojekt: Die Münchner haben für die Bozener Münzen gefertigt, auf deren einer Seite sie ihren Nationalstolz und auf deren anderer Seite sie ihre Sehnsucht symbolisch ausgedrückt haben. Die Bozener haben darauf mit einem Poetry Slam geantwortet und sich dabei auf die symbolischen Darstellungen der Münchner bezogen.

Reinhard Krapp; Lisa v. Collas

E-Mail: reinhardkrapp@gmx.de

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