Opas Himmelsfernrohr

Opas Himmelsfernrohr- Vlux11 und der gelbe Sternenkreis – Ein Märchen über die Europaflagge für Kindergartenkinder erdacht  und aufgeschrieben von Claudia Häne

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Opas Himmelsfernrohr- Vlux11 und der gelbe Sternenkreis – Ein Märchen über die Europaflagge für Kindergartenkinder erdacht  und aufgeschrieben von Claudia Häne

 

Am Samstagabend dürfen die Zwillinge Tara und Tom bei Opa übernachten. Opa hat sich ein neues Himmelsfernrohr gekauft. Er liebt es den Sternenhimmel zu beobachten. Das Fernrohr steht im Arbeitszimmer vor dem geöffneten Fenster.  Endlich ist es dunkel. Die Zwillinge schauen abwechselnd mit Opa in das Teleskop. Sie sehen einen Stern nach dem anderen aufblitzen. Das Besondere an Opas neuem Fernrohr ist, dass man zu zweit reinschauen kann. Opa erklärt die Sternbilder und nennt die Namen der Sterne.

Plötzlich ist Opa ganz aufgeregt. Er ruft: „Da, schaut euch mal die Venus an! Seht ihr auch das Blinken?“ Gemeinsam schauen Tara und Tom durch das Himmelsfernrohr. Tom hüpft von einem auf das andere Bein. Tara wedelt mit den Armen wie zwei Hundeschwänze.

„Ui, jetzt kommt ein Lichtstrahl. Guck schnell Opa!“ Quietscht Tom. Opa tauscht mit Tom den Platz am Teleskop. Er sieht den Lichtstrahl näher kommen. Tara sagt: „Der Lichtstrahl sieht wie eine Schiene aus, als könnte man darauf zum Himmel fahren.“  Nun möchte Tom wieder gucken. Er zupft an Taras T-Shirt und sagt: „Ich bin dran, lass mich hin Tara.“ Tara zischt ihn an und gibt den Platz frei. Ganz still beobachten Opa und Tom wie etwas Ungeheuerliches am Himmel geschieht. Tara kann es gar nicht aushalten und ruft:

„Was ist da los? Was seht ihr gerade?“

Opa dreht sich um. Sein Gesicht ist weiß wie Schnee. Er flüstert:

„Die sehen uns. Vielleicht kommen sie gleich her.“ Er überlässt Tara wieder den Platz. Gemeinsam beobachten die Geschwister, wie sich etwas auf der Lichtschiene bewegt.

„Opa, du hast recht. Da kommt was näher. Es sieht wie ein Ufo aus.“

Jetzt kann es Opa sogar ohne Fernrohr erkennen. Er schnappt nach Luft und brüllt: „Schnell weg vom Fenster! Versteckt euch unter dem Schreibtisch!“ Erschrocken gehorchen die Zwillinge. Opa hat sie noch nie angebrüllt. Weil Opa unter dem Schreibtisch nicht mehr genug Platz hat, setzt er schnell seinen Motorradhelm auf und duckt sich halb unter den Tisch. Im nächsten Augenblick passiert etwas, das ist so unglaublich, wie wenn es regenbogenfarbene Kaninchen regnen würde:

Ein sehr kleines Ufo fliegt zum Fenster hinein und landet mitten im Arbeitszimmer auf dem Holzboden.

Opa und die Zwillinge trauen sich kaum zu atmen. Mit weit aufgerissenen Augen starren alle drei auf das papierkorbgroße Ding vom Himmel. Es dampft ein bisschen und riecht nach Metall. Im Zimmer ist es mucksmäuschenstill. Plötzlich hören sie kurz nacheinander ein „Klick“ oder „Kleck“ wie das Verschlussgeräusch eines Matschhosenträgers. Eine winzige Tür öffnet sich, eine kleine Rolltreppe fährt heraus. Auf der Rolltreppe steht ein Wesen ganz aus Licht, nicht größer als eine Playmobilfigur. Die Kinder staunen mit offenen Mündern. Opa legt seinen  Zeigefinger an die Lippen und macht große Augen.

Das Lichtwesen kommt mit der Rolltreppe auf dem Boden an. Es hebt eine blaue Flagge mit einem gelben Sternenkreis hoch und winkt. Natürlich erkennen die Kinder sofort die Europaflagge, obwohl sie winzig klein ist.

Nun öffnet das Wesen seinen kleinen Mund und wispert mit einem feinen Stimmchen: „Ich bringe euch Grüße von der Venus.“  Wieder winkt es mit der Flagge.

„Ui, das ist ja die Europaflagge.“ Stellt Tom fest. „Woher hast du die?“

Das Wesen leuchtet ganz hell und antwortet:

„Das ist die Flagge der Venus und ihrer befreundeten Planeten.“

Tara erklärt dazu: „Wir haben aber im Kindergarten gelernt, dass die Europaflagge genau  so aussieht. Blau mit einem Kreis aus 12 gelben Sternen.“

Opa wundert sich als einziger darüber, dass sich die Zwillinge mit dem Wesen aus dem Weltall unterhalten, als wäre es ein Mensch. Nun traut auch er sich zu fragen: „Bist du wirklich mit diesem kleinen Ding von der Venus bis zu uns geflogen? Wie lange hat das gedauert?“

„Hast du doch selbst gesehen. Das ist mein Raumschiff. Ihr habt mich auf eurem Lichtstrahl eingeladen. Ich wollte euch schon lange mal besuchen. Ich habe viele Fragen an euch Erdlinge.“ Die Stimme des Lichtwesens klingt jetzt wie das Zirpen einer Grille.

Die Kinder sind auch neugierig. Sie fragen:  „Wie heißt du? Wie alt bist du? Hast du Hunger?“

Und Opa will wissen: „Warum sprichst du unserer Sprache?“

Das Wesen leuchtet noch heller und spricht: „Mein Name ist Vlux 11. Ich bin 111 Jahre alt. Wenn ihr frische Batterien für mich habt, würde ich schon welche essen. Wir Venusianer sprechen alle Sprachen im Universum. Ist das bei euch auf der Erde nicht so?“

Opa und die Kinder staunen. Dann fragt Tara: „Was möchtest du von uns wissen?“

Vlux 11 fragt sofort: „Warum sehen die Menschen so verschieden aus? Warum sprechen sie verschiedene Sprachen und verstehen sie nicht? Ist Europa ein Land?“

„Warum willst du das wissen?“ Erkundigt sich Opa.

Darauf antwortet Vlux 11: „Das ist meine Hausaufgabe in Planetenkunde. Also gebt mir Informationen, ich muss bald wieder nach Hause.“  Während das außerirdische Wesen spricht, leuchtet es mal heller und mal weniger hell. Den Zwillingen fällt das auf und sie fragen gleichzeitig:

„Warum leuchtest du mal mehr und mal weniger?“

Das Venuswesen wird kurz fasst unsichtbar. Die Menschen erschrecken darüber. Dann leuchtet es wieder grell hell auf.

„Ich bestehe aus Energie. Wenn ich mich anstrengen muss, verliere ich Energie. Ihr seid sehr anstrengend für mich. Das macht mich müde und ich leuchte schwächer.“

Wie im Chor sagen die drei Menschen: „Das tut uns leid.“

„Beantwortet bitte meine Fragen. Wissen gibt mir neue Energie.“ Wispert Vlux 11.

Sofort beginnt Tara zu erzählen: „Europa ist ein Erdteil, nicht die ganze Erde. Hier gibt es viele Länder. Jedes Land hat eine andere Sprache und anderes Essen.“

Tom ergänzt: „Weil das Wetter und die Landschaft verschieden sind, sehen die Menschen auch verschieden aus.“

Wieder leuchtet das Wesen auf. Es fragt weiter: „Was ist Wetter und was macht das mit dem Aussehen?“

Jetzt meldet sich Opa zu Wort: „Es gibt Länder  da ist es sehr warm. Dort scheint viel Sonne, die Menschen haben eine dunklere Haut. Weil es dort auch heißer ist, essen sie andere Speisen, als die Menschen in kälteren Gegenden. Dort scheint weniger Sonne, die Menschen haben eine hellere Haut. Oft haben sie blaue Augen und blonde Haare.“

„Auf der Venus ist das alles ganz anders.“ Vlux 11 leuchtet jetzt sehr hell. „Warum habt ihr die gleiche Flagge in Europa wie wir auf der Venus?“ Will es nun wissen.

Diese Frage möchte Tara beantworten: „Früher lebten die Menschen in Ländern weit voneinander entfernt. Sie wussten nicht, dass es andere Länder gibt. Deshalb sprechen sie auch verschiedene Sprachen. Es wurden immer mehr Menschen, die immer mehr Platz brauchten. Sie fingen an sich zu streiten und bekämpften sich um mehr Platz zu bekommen. Dann wollten sie sich wieder vertragen. Zum Zeichen dafür sind viele Länder in Europa zu einer Art Verein zusammengekommen.“ Tara machte eine Pause, weil sie so viel gesprochen hatte. Da setzt Tom die Geschichte fort:

„Wir nennen das Europäische Union. Die blaue Flagge mit dem gelben Sternenkreis bedeutet, dass wir uns gut vertragen und gegenseitig helfen wollen. Gemeinsam sind wir stark.“

Opa klatscht in die Hände. „Das habt ihr sehr gut erklärt, bravo! Habt ihr das im Kindergarten gelernt?“ Tara und Tom nicken stolz.

Plötzlich glitzert und leuchtet das Ufo ganz hell auf. Die Rolltreppe blinkt blau und gelb. Vlux 11 wedelt mit der Flagge und piepst mit dünner Stimme:

„Ich werde gerufen. Aber ich komme bald wieder, denn ich habe noch viele Fragen.“ Das Lichtwesen steigt auf die Rolltreppe. Die Zwillinge und Opa winken zum Abschied. Vlux 11 winkt mit seiner Flagge zurück. Schon ist er oben an der Tür. Die Rolltreppe fährt sich ein. 

„Servus, vergiss uns nicht.“ Tara ist ganz traurig, eine Träne kullert.

Da wirft Vlux 11 seine Flagge aus dem Raumschiff. Gleich darauf schließt sich die Tür. Es klickt zweimal, dampft, hebt ab und fliegt zum Fenster hinaus.

Tom, Tara und Opa springen auf und rennen zum Himmelsfernrohr. Abwechselnd beobachten sie, wie sich das Ufo auf dem Lichtstrahl blitzschnell entfernt. Dann ist es verschwunden. Die Venus blitzt noch einmal hell auf, der Lichtstrahl ist weg. Alles sieht aus wie immer. Tara hebt die Miniflagge vom Boden auf und steckt sie auf das Himmelsfernrohr.

Opa schaut auf die Uhr.

„Zeit ins Bett zu gehen, Kinder.“ Kündigt Opa mit kratziger Stimme an. Und dann flüstert er:

„Nun haben wir Drei ein großes Geheimnis.“

Sie stehen im Kreis ganz eng zusammen und legen in der Mitte ihre Hände übereinander. Sie schwören, das Geheimnis niemanden zu verraten. Höchstens vielleicht Papa, Mama und ihren besten Freunden im Kindergarten.

 

(c) Claudia Häne

Datum

20. - 31. Mai 2021
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Claudia Häne
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claudia.haene@muenchen-surf.de
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